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Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein

Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse auf der Strecke zwischen Budenheim bei Mainz und St. Goar



Das Projekt

Der Rhein gehört zu den bedeutendsten Wasserstraßen Europas. Den Bereich Budenheim bei Mainz (Rheinkilometer 508,0) bis St. Goar (Rheinkilometer 557,0) befahren jährlich rund 50.000 Güterschiffe (Stand 2016). Sie transportieren annähernd 60 Millionen Tonnen Ladung und übernehmen als umweltfreundlicher Verkehrsträger entlang der Rheinachse eine herausragende Rolle im Güterverkehr.

Der Rhein soll die Transport- und Logistikaufgaben auch in Zukunft bewältigen können. Dieses gilt besonders unter dem Aspekt, dass die Prognosen für den Mittelrheinabschnitt in den kommenden Jahren einen Anstieg der Gütermengen auf mehr als 75 Millionen Tonnen voraussagen. Hinzu kommt, dass viele Freizeit- und Fahrgastschiffe den Rhein auf dieser Strecke befahren.

Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein Quelle: WSA Rhein

Für den Schiffsverkehr vom Ober- zum Niederrhein und umgekehrt bildet die Strecke zwischen Budenheim und St. Goar einen abladerelevanten Engpass. Sowohl unterhalb als auch oberhalb beträgt die freigegebene Fahrrinnentiefe für die Schifffahrt 2,10 Meter unter dem Gleichwertigen Wasserstand (GlW). Im Projektgebiet liegt die freigegebene Fahrrinnentiefe jedoch nur bei 1,90 Meter. An vielen Tagen im Jahr wird die Transportkapazität der passierenden Schiffe somit deutlich eingeschränkt – und dies auf der gesamten Route des Schiffes bis zum Zielhafen (beispielsweise von Rotterdam bis nach Ludwigshafen).

Grund für die niedrigere Fahrrinnentiefe sind lokale Tiefenengstellen. Die Projektstrecke gliedert sich in drei Teilabschnitte mit den Tiefenengstellen:

  • Teilabschnitt 1, „Oestrich“ und „Kemptener Fahrwasser“, Rhein-km 508,0 bis 528,0
  • Teilabschnitt 2, „Lorcher Werth“ und „Bacharacher Werth“, Rhein-km 528,0 bis 547,5
  • Teilabschnitt 3, „Jungferngrund“ und „Geisenrücken“, Rhein-km 547,5 bis 557,0

Projektgebiet Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein Projektgebiet Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein Projektgebiet Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein Quelle: WSA Rhein

Im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans 2030 wurde das Projekt „Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein“ in die höchste Kategorie der neuen Projekte („Vordringlicher Bedarf – Engpassbeseitigung“) eingestuft. Mit dem im Dezember 2016 in Kraft getretenen Bundeswasserstraßenausbaugesetz wurde der Bedarf für das Projekt per Gesetz festgestellt. In diesem Sinne soll eine Verbesserung der wirtschaftlichen Befahrbarkeit des verkehrlich bedeutsamen Streckenabschnitts erfolgen, unter gleichzeitiger Verbesserung der örtlichen und überregionalen Sohlstabilität. Darüber hinaus wurde das Projekt im März 2020 in das Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz (MgvG) aufgenommen.

Träger des Vorhabens (TdV) ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Rhein, das im Rahmen der Ämter-Neuorganisation aus den Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern Bingen, Köln und Duisburg-Rhein entstanden ist.

Die aktuellen Planungen sehen zum einen vor, eine größere Fahrrinnentiefe für die Schifffahrt bezogen auf den GlW zu erreichen. Das bedeutet eine Erhöhung der Fahrrinnentiefe bei Niedrigwasser von 1,90 Meter auf 2,10 Meter. Zum anderen geht es darum, die Verhältnisse für die Schifffahrt bei Mittelwasser zu verbessern, indem eine Gleichwertigkeit der Abladetiefen für einen höheren Abfluss als einem Niedrigwasserabfluss (NQ) angestrebt wird.

Die Fahrrinnentiefe zu optimieren bedeutet hierbei jedoch keinesfalls, den Mittelrhein großflächig zu vertiefen. Es geht vielmehr darum, örtlich wasserspiegelstützende Maßnahmen, zum Beispiel mit Wasserbauwerken in Gestaltung von Längs- und Querwerken sowie mit moderaten Sohlanpassungen, durchzuführen.

Teilabschnitt 1, „Oestrich“ und „Kemptener Fahrwasser“, Rhein-km 508,0 bis 528,0

Teilabschnitt 1, „Oestrich“ und „Kemptener Fahrwasser“, Rhein-km 508,0 bis 528,0 Teilabschnitt 1, „Oestrich“ und „Kemptener Fahrwasser“, Rhein-km 508,0 bis 528,0 Teilabschnitt 1, „Oestrich“ und „Kemptener Fahrwasser“, Rhein-km 508,0 bis 528,0 Quelle: BfG, thomsen Heli-Sevice

Teilabschnitt 2, „Lorcher Werth“ und „Bacharacher Werth“, Rhein-km 528,0 bis 547,5

Teilabschnitt 2, „Lorcher Werth“ und „Bacharacher Werth“, Rhein-km 528,0 bis 547,5 Teilabschnitt 2, „Lorcher Werth“ und „Bacharacher Werth“, Rhein-km 528,0 bis 547,5 Teilabschnitt 2, „Lorcher Werth“ und „Bacharacher Werth“, Rhein-km 528,0 bis 547,5 Quelle: BfG, Thomas Strellen

Teilabschnitt 3, „Jungferngrund“ und „Geisenrücken“, Rhein-km 547,5 bis 557,0

Teilabschnitt 3, „Jungferngrund“ und „Geisenrücken“, Rhein-km 547,5 bis 557,0 Teilabschnitt 3, „Jungferngrund“ und „Geisenrücken“, Rhein-km 547,5 bis 557,0 Teilabschnitt 3, „Jungferngrund“ und „Geisenrücken“, Rhein-km 547,5 bis 557,0 Quelle: BAW

Beteiligung der Öffentlichkeit

Im September 2016 fand eine große Informationsveranstaltung zum Projekt Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein statt. Zur Erörterung der vielfältigen Aspekte des Projekts folgte von Ende 2017 bis Anfang 2019 die Konsultationsphase. Sie diente im Wesentlichen dazu mit Akteuren aus den Bereichen Schifffahrt, Naturschutz, Wasserwirtschaft sowie Anlieger/Nutzer/Welterbe Oberes Mittelrheintal/Denkmalpflegerische Belange in den Dialog einzutreten, noch bevor mögliche Ausführungsvarianten und deren konkrete Ausgestaltung zur Diskussion stehen.

Bei großen Infrastrukturprojekten ist die Beteiligung der Öffentlichkeit bis zur Erlangung des Baurechts für die einzelnen Teilabschnitte zu verschiedenen Zeitpunkten gesetzlich vorgeschrieben. Der aktuell begonnene nächste Schritt ist die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung. An dieser kann die betroffene Öffentlichkeit teilnehmen und Meinungen, Empfehlungen sowie Ideen einbringen, bevor die endgültige Variante für das Genehmigungsverfahren in weiteren Planungsschritten festgelegt wird. Für jeden der drei Teilabschnitte wird eine eigene frühe Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt. Begonnen haben wir mit dem Teilabschnitt 2, „Lorcher Werth“ und „Bacharacher Werth“. Für diesen Abschnitt fand die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung vom 01. bis 31. März 2021 statt. Neben der Veröffentlichung der Informationen für die ersten Entwürfe im Internet haben zahlreiche Informationsgespräche vor Ort beziehungsweise digital stattgefunden. Darüber hinaus konnten Betroffene ihre Fragen und Anmerkungen auf einer Beteiligungsplattform einbringen. Äußerungen im Rahmen der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung ersetzen jedoch keine Einwendung beziehungsweise Stellungnahme im späteren vorbereitenden Verfahren.